Eine Woche ohne Namen

Ein namenloser Wochenrückblick. Gibts ja nur selten. Trotzdem fehlt mir momentan total die zündende Idee… Die Woche nach dem Pfingstfest ist an sich ja eine Kurze. Los war trotzdem jede Menge. Kind 1 beglückte uns zum Pfingstmontag mit einem genauso simplen wie leckerem Milchshake. Das Rezept gibt es gleich auf unsere Rezepteseite. Ganz lecker und recht schnell zu machen. Passte zu unserem ansonsten recht ruhigen und gechilltem Wochenstart. Allerdings ging es ab Dienstag dann ordentlich in die Vollen.  Mir ist etwas passiert, was mir so noch nie passiert ist: Ich habe mich ausgesperrt. Und zwar so richtig! Kind 3 kommt jeden Tag annähernd zur selben Zeit mit dem Bus nach Hause. Ist aber nicht im Besitz eines Schlüssels. Braucht er ja auch nicht. Denn seine Rückkehrzeit fällt in meine normal übliche Arbeitszeit. Auch an diesem Dienstag. Da wir Hochparterre wohnen und die Kinder eine Treppe und 2 Türen überwinden müssen, schon alleine um nur herauszufinden wer da klingelt, haben wir eine Klingel mit Kamera. Man kann so also schon schon vor der Garderobe sehen (und hören!) wer Einlass begehrt. Ich auch. Allerdings habe ich gar nicht auf dem Bildschirm achten müssen, erstmal wusste ich das Kind 3 ankommt und zweitens konnte ich ihn (lautstark in ein Gespräch mit sich selbst vertieft) deutlich hören. Zugegeben, ich habe mich darüber ein bisschen amüsiert. Karma ist echt eine B***. Und so schlug es voll zurück.Tür auf, Treppe runter, Eingangstür öffnen und Kind 3 mit einem Grinsen begrüßen, während oben an der Treppe die Zwischentür sanft ins Schloss fiel. Yeah. Kein Schlüssel. 5-fach – verriegelte Hauseingangstür. Das Ganze während meiner Arbeitszeit und der Abwesenheit aller anderer Familienmitglieder. Sauber hingekriegt. Handy, Autoschlüssel. etc, natürlich im Haus. Sicher verwahrt hinter der zugefallenen Tür. Die Ersatzschlüssel alle unerreichbar weit weg… Kind 1 und Kind 2 knapp 7km, der Hase 120 km, meine Eltern 45km. Keine wirkliche Alternative.  Also zusammen mit Kind 3 die Isomatte aus dem Regal gekramt (brauchte Kind 2 eh am nächsten Tag für die Jugendherberge), ausgerollt und auf der Matte, auf der Treppe Stellung bezogen, bis knapp 45 Minuten später Kind 1 und 2 (samt ihrer Schlüssel) eintrafen. Explizit für mich hat das Ganze nun zwei mehr oder weniger gravierende Folgen: Ich habe mich in eine denkbar schlechte Position gebracht, sollte eines der Kinder in naher Zukunft seinen Schlüssel vergessen. Die zweite Quintessenz zeigte sich am Tag danach. Kind 3 steht mit seinem Freund vor der Tür, spricht dieses Mal allerdings nicht mit sich selbst (oder dem Freund), sondern skandiert in einen Sprechchor mit seinem Kumpel nur ein Wort: „Schlüssel, Schlüssel! Schlüssel!“. Dieses Phänomen hat übrigens bis heute angehalten.

Kind 2 verbrachte im Laufe der Woche zwei Tage im Mittelalter. Samt selbstgenähter Tunika und über offenem Feuer gekochter Kohlsuppe. Zumindest bei Letzerem hielt sich die Begeisterung in deutlichen Grenzen. Unsere Kinder sind verwöhnt! Und das obwohl wir nicht zu der Sorte der Helikoptereltern gehören. Aber Kind 2 wünschte sich, am Tage der Abfahrt in die andere Zeitzone, zur Schule bzw. zum Treffpunkt gebracht zu werden. Argument: Der Bus fährt so früh, das ich ewig warten muss. Den Bus nach dem frühen Bus hat er wohlweislich unterschlagen. Aufgefallen ist es trotzdem, spätestens als wir besagtem Bus direkt hinterher gefahren sind. Abgesehen von der Kohlsuppe fand er das Projekt dann doch spannend. Was alles so ohne Technik möglich ist. Man staune. Nun wünscht sich Kind 2 einen Steinkreis im Garten, in dem man Feuer machen kann. Über welchem man dann anschließend Brennesselsuppe kochen könnte. Kohlsuppe findet er ja doof. Brennesselsuppe finde ich nun wiederrum recht doof. Pattsituation.

Leider liefen diese Tage des Schulprojektes nicht so harmonisch wie es sich anhörte. Die Klasse ist schwierig. Mobbing und Drangsaleien sind an der Tagesordnung. Kind 2 blieb abermals nicht verschont. Er wurde von Klassenkameraden hochgehoben und auf dem Boden „geworfen“. Allerdings dieses Mal nicht ohne Gegenwehr. Obwohl die Angreifer in der Überzahl waren. Zum allerersten Mal wehrte sich Kind 2 mit Griffen, die es beim Karate eben zu jenem Zweck gelernt hatte. Einerseits bin ich stolz auf ihn, schon allein weil er sich getraut hat sich zuwehren. Und den Mut hatte, das Gelernte ohne weitere Anleitung allein und selbständig einzusetzen. Anderseits muss ich zu geben dabei Bauchschmerzen zu haben. Denn die Abwehrmaßnahme war für den einen Angreifer ein wegschieben mit den Händen, für den Anderen allerdings einen Tritt in den Bauch. Bei dem es sich eigentlich um eine Angriffsmassnahme handelt. Ja, ich weiß, ich sollte mir keine Sorgen um den Angreifer machen. Aber wir reden hier von 12- jährigen und natürlich will ich nicht, dass sich Kind 2 da irgendwas vorwerfen lassen muss. Ich glaube, ich muss Vertrauen lernen.

Auch in meine Fähigkeiten: Seit ich verheiratet bin ist das Rasen mähen eine absolute Männerdomäne. Aber nun arbeitet der Hase mehr. Fazit: ich wollte ihm die Arbeit abnehmen und den Rasen mähen. Habe ich vor der Hochzeit ja auch getan. Mit eben jenem Rasenmäher. Der wohl leider unsere damals durchaus erfolgreiche Zusammenarbeit völlig verdrängt hat. Denn den erneuten Versuche verweigerte er konsequent. Zieht natürlich der Hase einmal an, knattert das Maschinchen fröhlich los. 🙁 Wie fies. Zur Strafe musste der Hase den Garten halt selber mähen. Was auch ein Gutes hatte: Kind 4 hatte seine Brille verloren. Und noch ehe sie eingreifen konnte, war Papa mit dem Mäher schon darübergeflitzt: Nicht auszudenken, wäre mir das passiert.:)

Mein Hochbeet hat es nun endlich an seinen Standort geschafft und wurde auch schon halb bepflanzt. Nur halb, weil für mehr einfach die Erde nicht ausreichte und bei 30 Grad im Schatten wollte ich niemanden zum Sieben verurteilen.

Somit summieren sich bereits die Aufgaben für die Woche: Erde sieben, Optiker, Gedicht lernen, Schornsteinfeger…und nichts ohne Schlüssel machen. 🙂

Die Bibliothek haben wir in weiser Voraussicht diese Woche gleich mit abgehandelt. Mich erwarten nun „Glennkill“ und „Garou“ von Leonie Swann und ein Dessert mit dem Namen „Doppeldecker“. Dies kupferte Kind 1 von ihrem derzeitigen Schwarm ab. Man darf gespannt sein.

In diesem Sinne… eine ruhige Woche.

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