Manchmal muss man Nein sagen, um Ja sagen zu können

Manchmal muss man „Nein“ sagen, um „Ja“ sagen zu können. Ich bin ein Arbeitstier. Vor fast 6 Jahren stolperte ich, mehr oder weniger zufällig, über meinen derzeitigen Arbeitgeber. Damals, nach der Geburt meiner Jüngsten, schaute ich nach was für nebenbei. Nur mit Kindern zuhause… ich hatte das Gefühl langsam zu verblöden. Nichts gegen Hausaufgaben oder Kinder. Ich liebe meine Vier. Aber Geblubber und Mamamamam ersetzten eben keine vollständige Unterhaltung. HomeOffice war die Lösung. Ich war den ganzen Tag für die Kids da, konnte in Leerlaufzeiten aber auch etwas tun, dass A meinen Kopf forderte und B zusätzlich ein bisschen Geld in die Haushaltskasse spülte. Perfekt. Zugeben, damals habe ich den Job nicht ernst genommen. 2-3 Artikel pro Woche. Das reichte. Heute ist das anderes. Inzwischen manage ich den kompletten deutschsprachigen Raum. Erstelle Dienstpläne, entscheide wer, wann, wo was schreibt und wer überhaupt für uns arbeitet und wer nicht (mehr). Das erfordert Einsatz. 10 Stunden pro Tag/ 7 Tage die Woche sind Normalität. Dennoch oder wahrscheinlich gerade deswegen schnurrt die deutsche Seite. Mein Boss ist zufrieden. Kümmert sich kaum. Lässt mich machen. Das ist genauso gut, wie es schlecht ist. Ich bin ein Einzelgänger und mag es durchaus einen gewissen Spielraum zu haben, um Ideen und deren Umsetzung testen zu können. Schwierig ist das, wenn Kommunikation nicht vorhanden und Grenzen damit nicht klar definiert sind. Einen solchen Eiertanz um Zuständigkeiten und Reglementarien, die man nicht mal kennt, hasse ich dann wieder rum. Genauso, wie mich nervte, das zunehmend Aufgaben an mich delegiert wurden. Ungefragt, unabgesprochen. Ich bin ja sonst schon 10 h pro Tag da, und nicht nur um die Pixel auf meinem Monitor zu zählen. Subtile Hinweise änderten nichts. Bis jetzt. Im Zuge der Kundenzufriedenheit wurde ein LiveChat eingeführt. Besetzungszeiten: 8:00- 0:00 Uhr. Für den deutschsprachigen Raum ein echtes No-Go. Zu Zweit, neben der normalen täglichen Arbeitszeit, nicht zu bedienen. Für den ersten subtilen Vorstoß gab es ein „mach was Du kannst“. Thema für meinen direkten Vorgesetzten erledigt. Nicht so aber für seine Anweisung, denn die lautete: durchgehende Besetzung! Der Kunde ist König und soll zufrieden sein. Unbestritten! Das ändert nur nichts an der Personaldecke. Und nein, dieses Mal habe ich mich nicht mit einem subtilen Hinweis befasst. Sondern mit einem klaren „Nein, ich kann nicht mehr“, einer Zusammenfassung meiner Arbeitszeiten und Aufgaben. Was darauf kam? Eine Entschuldigung! Ich habe diese Nachricht schriftlich bekommen und mehrmals lesen müssen, bis mir der Inhalt ins Hirn sickerte. Mein sonst gern ein bisschen selbstgefälliger Boss ruderte zurück. Klar, ein bisschen gebauchmiezelt zu werden, zu hören, dass der Andere weiß, das man tut was man kann und das man ja alles unter Kontrolle hat, tut auch mal gut. Abgesehen davon, tut auch die Veränderung gut. Statt einem Kollegen werden zwei eingearbeitet, die mir die Supportaufgaben vom Hals halten. Zumindest in den Zeiten, in denen meine Energien anderweitig gebunden sind. Das „nein“ ist nun einige Zeit her. Die Veränderungen halten an. Aufgaben werden angesprochen. Die Gegenseite mit einem gewissen Grundrespekt behandelt. Und siehe da: Kommunikation ist möglich. Auch wenn wir Beide, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht die selbe Sprache sprechen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*