Herausforderung Hausaufgaben

Hausaufgaben sind ja ein besonders Thema. Selbst die Grundschule ist das schon Spezi für. „Normale“ Hausaufgaben, a la Buchseite 57, Nr. 5,6,7, gibt es ja kaum noch. Nein, heutzutage müssen es Plakate sein. Mit Bildern und Quellenangaben. Internet wird pauschal voraus gesetzt. Mal ganz abgesehen davon, dass es kaum noch “ freie“Hausaufgaben gibt. Alles wird minimalistisch in Arbeitshefte eingetragen. Kein Wunder, dass die Kids keine ganze Sätze mehr bilden können, wenn sie permaent nur Lückentexte befüllen. Das nervt mich! Bin ich die Einzige, der das so geht? Alleine was die Grundschule an Arbeitsheften besorgt, treibt jedes Jahr aufs Neue meinen Adrenalinspiegel nach oben.

Glücklicherweise ist das an der Oberschule anders. Diese verzichtet komplett auf Arbeitshefte. Was die Kinder regelmäßig zum jammern bringt, ihnen würden die Hände weh tun. Vom vielen Schreiben. Mangelndes Training eben. 🙂 Allerdings schützt der Arbeitsheftverzicht auch nicht vor schrägen Hausaufgaben, Plakaten, Bannern, Mappen oder was auch immer und über alle möglichen und unmöglichen Themen. Kennt Ihr Funafuti? Nein? Aber wir. Funafuti ist die Hauptstadt oder das Hauptdorf der Inselgruppe Tuvalu. Gelegen im südwestlichen Pazifik, zwischen Papua- Neuguinea und Neuseeland. Das gesamte Atoll kommt auf spektakuläre 26 Quadratkilometer. Nur mal so im Vergleich, Berlin allein bringt es auf gut 892 Quadratkilometer. Allerdings wäre die Bevölkerungsdichte von 415 Einwohner pro Quadratkilometer ein Traum für jeden Berliner. Woher ich das weiss? Na von einer Hausaufgabe! Einer vergleichsweise harmlosen.

Aktuell behandelt die 8. Klasse den 1. Weltkrieg. Das Thema ist gerade erst aufgeriffen worden. Und ja, natürlich sollte dieses Thema behandelt werden. In dem Überblick, den die Fachlehrer zum Schuljahresbeginn starten, war auch der 2. Weltkrieg ein Punkt. Gespickt mit Jahreszahlen führte das schon zu mehr oder weniger guten Verbindungen. In unserem Fall zu der Feststellung: „Uroma und Uropa haben ja den 2. Weltkrieg erlebt“. Uroma und Uropa leben glücklicherweise noch. Ob die den Urenkeln aus ihren Erlebnissen erzählen wollen ist allerdings fraglich. Die Erinnerungen, auch ohne direkte Kampfhandlungen, sind keine guten. Der Ur- Ur- Opa (aus Sicht der Kinder) war einer der letzten Heimkehrer aus ewiger Kriegsgefangenschaft. Gezeichnet fürs Leben.

Ich stehe dem Thema zwiegespalten Gegenüber. Es sind Teile unserer Geschichte und jedes Kind soll und muss wissen, was passierte und warum. Nur so kann auch die nächste Generation daraus lernen. Die Frage ist immer, wie macht man das. Der Weg unserer Oberschule (zumindest in diesem Fach) ist nicht der Richtige. Anstatt diese Themen im Unterricht zu behandeln. Auch das, was über Zahlen und Fakten hinausgeht. Nein, unsere Kinder bekommen es als „stille“ Aufgabe, sich mit dem Inhalt zu befassen. Ohne Chance auf Jemanden, der mit Sicherheit auftretende Fragen beantworten kann oder schlichtweg nur den Gesprächsbedarf bedient. Zudem endet das ganze in einer Zensierten Hausaufgabe. Und die könnte absurder nicht sein:

Hausaufgabe: Schreibe einen Brief von der Front nach Hause.

Das Kind ist 13 und hat sich bisher nicht wirklich mit dem Thema Krieg befasst. Alles was sie weiss, weiss sie aus der stillen Arbeit und vielleicht aus einigen Gesprächsfetzen von Zuhause. Da Sie aber ihre Hausaufgaben eben korrekt und vollständig erleidigen will, hat sie gegoogelt. Und mehr gelesen und gesehen als gut für Sie war.

Ich will gar nicht sagen, das die Hausaufgabe falsch oder zu schwer war. Nur sollte man ein solches Thema nicht behandeln?  Im Unterricht? Führen? Besprechen? Und  nicht die Kinder sich da selbst überlassen? Sicher sind wir als Eltern da. Schränken die mediale Konsumierung ein. Dennoch, die wirklich harten Themen, wie Konzentrationslager und Co. kommen ja noch. Dann auch alleine und in einer Hausarbeit? Bedenklich!

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