„Es geschah nebenan – Die unfassbare Geschichte einer Mutter“ – Joyce Egginton

Klappentext:

„In vierzehn Jahren wird Marybeth Tinning neunmal Mutter. Doch ihre Kinder sterben früh- alle neun, eins nach dem anderen. Die Ärzte sind ratlos. Böses vermutet niemand – weder die Polizei, noch Sozialarbeiter, noch die Nachbarn. Sechsmal wird eine Autopsie durchgeführt, es gibt keinerlei Anzeichen von Misshandlung. Doch am Ende kommt die unbegreifliche Wahrheit über die schreckliche Todesserie ans Licht.

Dieses Buch beschreibt, wie es dazu kommt. Es schildert die unheimlichen Hintergründe im Leben einer Mutter, die aus der Welt schafft, was sie zur Welt gebracht hat. Es zeichnet das Innenbild einer Ehe als Terror hinter der Fassade. Es ist ein Tatsachenbericht, der jeden Krimi und Horror- Roman übertrifft – das Buch einer Autorin, der es, aus Engament für das Leben, um Wahrheit und Menschlichkeit geht.“

Kommentar:

Allein die Vorstellung, dass eine Mutter ihre Kinder tötet, ist Material für schlaflose Nächte. Umso schlimmer, wenn es sich bei den Kindern um Säuglinge oder Kleinstkinder handelt. Und es ist mehrmals passiert. Denn Marybeth Tinning hat 8 ihrer 9 Kinder erstickt. Der Tod ihres dritten Kindes (Jennifer starb als Erstes) ist Stand der Ermittlungen ein „natürlicher Tod“, natürlich meint hier: nicht durch die Mutter ausgelöst. Und vermutlich der psychologische Auslöser für die folgenden Katastrophen. Es bleiben viele Fragen. Wie konnte das geschehen? Warum hat niemand eingegriffen? Verdachtsmomente gab es doch genug. Und genau das ist der Haken an dem Buch. Hier geht es nicht um einen Tatsachenbericht. Hier werden Vermutungen und Verdachte beschrieben. Vermeintliche Augenzeugen aus der zweiten Reihe. Man könnte es auch Hören – Sagen nennen. Empfinde ich persönlich als schaurig. Mal ganz abgesehen von der Story an sich, die man als einigermassen normal denkender Mensch und vor allem als Mutter, kaum, auch nicht mal ansatzweise nachvollziehen kann.

Joyce Egginton genießt den Ruf gründlich zu recherchieren. Dafür sind es mir einfach zu viele, teils reißerische Aussagen von ehemaligen Kolleginnen. etc. Marybeth Tinning wird, unrealistischerweise teils als Hexe verunglimpft- wohl gemerkt geschahen ihre Taten zwischen 1972 und 1985. Jeder egal wie unbeteiligt, hat etwas dazu zu sagen.

Der Klappentext spricht von Terror in der Ehe. Die Beschreibung im Buch eher vom Schweigen in der Ehe.

Schlussendlich wird das Wie erklärt. Nicht aber das Warum. Und das hat viele Gesichter. Warum tötete Marybeth Tinning ihre Kinder? Wieso schwieg Joe Tinning? Warum ist keiner von denen, die doch laut Recherche wussten „Marybeth hat sie umgebracht“, aufgestanden und hat sie gestoppt?

Ein Drama um eine psychisch kranke Frau und das Wegsehen der Umwelt. Marybeth Tinning hat ausführend Hand an ihre Kinder gelegt, doch jeder Umstehende, der es ahnte und nichts unternahm ist ebenso schuldig!

Verfasst ist das Ganze als Tatsachenbericht. Ermüdend und ernüchternd, grösstenteils emotionslos, zuweilen auch langatming.

Sicherlich taugt die Story grundsätzlich nicht zum Besteller, dennoch hätte man mehr als diese eindimensionale Geschichte daraus machen können.

Hier bleiben einfach zu viele wichtige Fragen offen. Im Nachgang ist mir nicht einmal mehr klar, warum ich das Buch lesen wollte.

Dafür gibts leider keine Sterne

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