Die Prophezeiung eines Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung

„Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung“ – Paul Watzlawik

Klingt ein bißchen abgedreht? Ist es aber nicht. Auch mit Esoterik hat das Ganze nichts zu tun. Wirklich nicht! Seit ein paar Tagen, seit das Dilemma um meinen Mann zu Ende gedacht ist, kreiseln meine Gedanken um eine Kollegin. Ich habe mehr als diese Eine. Sie hätte auch grundsätzlich das Potenzial gehabt, einmal über diese Bezeichnung „eine Kollegin“ hinaus zu kommen. Mein Bauchgefühl hat mich unbewussterweise immer auf Abstand bleiben lassen. Sie beeindruckt mich nicht. Ich nehme auch nicht mehr Anteil an ihrer Situation, als ich das bei „anderen“ Kolleginnen tue. Trotzdem schafft sie es in schöner Regelmäßigkeit meine Gedanken auf sich zu sammeln. Heute habe ich in einem Buch eben jenes Zitat von Paul Watzlawick gelesen: „Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung“. (Revision gibts… wisst Ihr) Auf Niemanden trifft das mehr zu als auf „sie“. Sie hat keine Probleme. Sie ist nicht bedroht von einer Arbeitslosigkeit. Niemand aus ihrem Umfeld ist das. Keine Sterbefälle in der direkten Verwandschaft. Keine Scheidung. Keine Sitzenbleiber. Oder was auch immer. Mit einem überaus sicheren Einkommen, regelmäßigen mehrfachen Urlaubsreisen, Wohneigentum ohne Verantwortung für Ehemann und/ oder Kinder läuft ihr Leben in einer recht ruhigen Bahn. Sie ist unwesenslich älter als ich. Und nein, ihr Singleleben und die Entscheidung gegen Kinder bewerte ich nicht. Jeder soll Leben wie er es möchte. Oberflächlich hat sie keine Probleme. Tiefer schürfen mag ich gar nicht. Denn sie hat im Alltag mit mir ein sagenhaftes Talent, sich riesige Probleme zu schaffen. Einfach nur indem sie, in einen simplen Satz soviel hinein interpretieren kann, das sie sprichwörtlich weinend aus dem Zimmer rennt. Sie denkt, alle anderen Kollegen mögen sie nicht und reden hinter ihrem Rücken. Natürlich schlecht. Und versuchen mich von ihrer negativen Meinung zu überzeugen. Heute haben sie es geschafft! Woher sie das weiß? Na von mir!! Was habe ich getan? Statt eines „Guten Morgen“ habe ich ihr heute nur ein flappiges „Moin Moin“ zugeworfen. Warum habe ich das getan? Nein, Argumente, wie: einfach so – oder – ich wollte mal was anderes sagen, gelten da nicht. Ich muss mir die Meinung der anderen angenommen haben und kann sie jetzt nicht mehr leiden und halte sie für völlig unfähig. Eine so riesengroße Interpretation für so ein kleines Wörtchen, das mir in meiner 6- Uhr- morgens Laune so einfach entfleucht ist. Nein, ich kann dann nicht den Mund halten und diese Fehlinterpretion so stehen lassen. Obwohl ich weiß, es ändert sich nicht. Egal wie sehr ich sie beruhigen oder aufbauen kann, in ein paar Tagen werden wir eben jene Diskusion wieder führen. Paul Watzlawick hat voll kommen Recht! Sie hat einfach nur eine Vermutung oder einen Verdacht, das die „Anderen“ von ihr reden. Die ständige Wiederkehr dieser Diskusion zeigt, dass es längst nicht mehr ein einzelner Gedanke ist, der ihr das einredet, sondern das es aus ihrer Sicht längst eine unumstößliche Tatsache ist. Die Anderen reden, über sie! Allein aus dem Druck heraus, den sie sich nun macht, benimmt sie sich anders. Wirkt unsicher. Sämtliche Gesprächversuche blockt sie ab. Vermutlich, weil sie meint keinem mehr trauen zu können. Und schon schließt sich der Kreis. Denn früher oder später wundern sich die anderen über das sonderbare Verhalten und beginnen tatsächlich darüber zu tuscheln. Quad exat demonstradum! Ein Kreislauf, der ein an sich sorgen armes Leben unnötig verkompliziert. Meistens tut es mir leid. Ich versuche diese negative Haltung aufzufangen. Ihr Halt zu geben. Manchmal aber macht es mich wütend. Ich lege um 6 Uhr morgens noch keine Worte auf die Goldwaage. Ich will das auch gar nicht. In meinen Team arbeiten 35 Menschen. Mehr Frauen als Männer. Manche mit großen, manche mit kleinen Sorgen, manche sind mir ferner, manche sind mir näher. Und natürlich über manche Verhaltensweisen und Aktionen wird auch getuschelt. Aber wie weit muss der Weg dahin sein, zu glauben, der gesamte Tag von 35 anderen Menschen befasst sich nur mit den (vermeintlichen) Fehlern eines Einzelnen! Ich werde bei meinen Leisten bleiben und ganz bewusst, wenn ich Hufgetrappel höre, an ein Pferd denken und nicht an ein Zebra.

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