Tag 9

Der Termin mit meinem Exmann ist unterhaltsamer abgelaufen wie gedacht.
Volle 7 Minuten zu früh, war ich mit meinem Lebensgefährten in der Kanzlei.  Ich musste meinen Personalausweis vorzeigen und konnte mich dann in den Wartebereich setzen.  Eine alte Bekannte, mit der ich die Berufsschule besucht habe, lief an mir vorbei. Was für ein schöner Zufall. Wir beide hielten einen kleinen Plausch über unseren Plausch, wie das halt unter alten Bekannten ist. Währendessen kam mein Exmann in die Kanzlei. Er war gleich auf Krawall gebürstet und stellte sich vor mir auf. Er hatte nicht damit gerechnet gehabt, dass ich meinen Lebensgefährten mitbrachte. Einen Tag zuvor, hatte er mir noch angeboten gehabt, dass er mich abholt, damit ich auch ja pünktlich zu diesem Termin erschien. Lustigerweise war er zu spät. Meine alte Klassenkameradin bemerkte gleich die gereizte Stimmung zwischen uns. Er meinte: „Na? Hast du es doch geschafft und alles dabei?“ Mir rutschte nur raus: „Ich habe alles dabei. Meld dich lieber da bei der Anmeldung an und nicht bei mir!“
Meine Klassenkameradin lachte nur und meinte: “ Ich merke schond ie Bombenstimmung bei euch“ und verschwand.
Schon war auch der Anwalt da um uns in den Konferrenzraum zu begleiten. Ich nahm natürlich meinen Lebensgefährten mit rein, was meinem Exmann sichtlich nicht gefiel.
Uns wurde der Übergabevertrag von unserem Haus von dem Anwalt vorgetragen, mit der Bemerkung, dass wir bei Fragen einfach Stop rufen sollen.
Na, wenn er mir doch sowas anbietet, dann muss ich das doch auch annehmen.
Ich habe meinem Exmann, das Haus, was wir vor 6 Jahren gekauft und renoviert haben, nur überschrieben, weil er dann die beiden Kredite übernimmt, die wir damals dafür aufgenommen hatten. Zuvor hatte ich das Haus in meinem Besitz gehabt, da ich dort mit meiner Tochter gewohnt habe. Allerdings habe ich Anfang diesen Jahres das Abenteuer „Neuanfang auf einem kleinen Bauernhof“ gestartet und mein Haus vermietet. An dumme Menschen, die ihre Miete zahlen, wann sie Lust und Laune habe. Daher war die Übergabe des Hauses keine große Sache für mich. Ich bin die dummen unverschämte Mieter los und ich kann ein Kapitel in meinem Leben abschliessen und dieses Dorf hinter mir lassen.
In dem Übertragungsvertrag stand, dass ich das Haus zum bewohnen besass und es anschliessend vermietet habe und es nun meinem Exmann übertrage. Ich unterbrach den Notar bei der Vorlesung und wollte erfahren, warum denn das in einen Vertrag hinein müsse? Der Notar erklärte mir, dass das Grundbuchamt doch wissen müsse, warum das Haus nun wieder übertragen werden würde. Da wollte ich wissen, warum denn in dem Vertrag dann nicht drinne steht, dass ich im Gegenzug zu dem Haus die Kredite von meinem Exmann auch abtreten werde. Da wurde ich sehr groß angeschaut. Der Notar wusste nicht Bescheid und wollte von meinem Exmann wissen, warum er das denn nicht mitgeteilt hat. Mein Exmann rutsche nervös auf seinem Stuhl hin und her und meinte nur, dass wir das privat abgemacht hätten. Er hat auch nicht erwähnt, dass er mich wegen Betrug und Vortäuschung falscher Tatsachen anzeigen wollte. Er versuchte sich stammelhaft zu erklären.  Der Notar sprang auf und rannte raus zu seiner Sekretärin. Mein Exmann führ aus seinem Stuhl auf und machte mich böse an. Warum ich das jetzt erwähnt hätte und was das denn jetzt sollte? Ich blieb ganz ruhig, lächelte ihn an und sagte ihm, dass ich ja nur mal fragen wollte. Ich könnte ja nicht irgendwas unterschreiben. Der Notar kam wieder rein und teilte uns mit, dass auch seine Angestellte nichts von der Vereinbarung wusste. Wir müssten jetzt eigentlich die Beurkundung abbrechen. Die Papiere bei den Banken einfordern, mich aus der Haftung entlassen und dann in 2-6 Monaten wieder treffen und dann die Beurkundung noch mal in Angriff nehmen würden. Mein Exmann bekam Pipi in den Augen und fing das Grummeln an.  Da hatte ich eine andere nette Idee. Ich fragte den Notar, ob er denn vor Gericht aussagen würde, wenn mein Exmann den Kredit nicht begleichen würde und ich ihn dann auf Schadensersatz verklagen würde. Seine Antwort gefiel mir sehr: Da es ein offenzieller öffentlicher Termin sei, ist er sogar verpflichtet für mich dann bei Gericht auszusagen.  Die Klappe meines Exmannes fiel herunter und ich bat den Notar die Beurkundung bitte weiter zu machen, damit ich den Vertrag unterschreiben kann.
Nachdem wir die Kanzlei verliessen, verliess auch der Anstand meinen Exmann und er schrie mich draussen an, warum ich ihn denn so vorgeführt habe. Ich fand es sehr lustig und ihn erklärt, dass aufgrund seiner Unzuverlässigkeit, ich auch mal Sicherheiten und Informationen brauche. Dies verstand er natürlich nicht. Er wäre ja so ordentlich und würde zu seinem Wort stehen. Ja ne ist klar.
Ich bin mit einem dicken Grinsen zur meiner Exschwägerin gefahren und konnte mich dort ablassen.
Nachmittags hatte ich noch schönen Besuch von meiner langjährigen Schulfreundin und ihren Kindern. Da konnte man mal wieder sehen, wie unterschiedlich unsere Kinder aufwachsen. Ihre Kinder wohnen in der Stadt ohne Haustiere. Sie trauten sich nicht die Katzen anzufassen oder auf den Arm zu nehmen. Sie brauchten volle 2 Stunden bis sie das erste Katzenbaby auf dem Arm hatten und wollten es nicht mehr hergeben. Sie rannten durch unser Waldstückchen. Die kleine Tochter quietsche ständig wegen einer toten Maus oder einem Mauswurf. Der Sohn nahm „männlich“ einen Stock und versteckten die erlegten Tiere unserer Katzen. Knapp 4 Stunden konnten wir gemütlich auf unserer Hollywoodschaukel sitzen und die Kinder haben es geschafft sich in der Zeit nur mit dem Wald zu beschäftigen. Das wäre sehr herrlich gewesen, wenn nicht der Cousin meines Schatzes da gewesen wäre. Andreas war damals mit meiner Freundin zusammen, während ich seinen Cousin in meinen Krallen hatte. Andreas war nervös, weil meine Freundin da war und blubberte in einem zu. Er versuchte die Gespräche immer wieder auf sich zu ziehen und redete so viel Blödsinn wie ein 18 jähriger reden würde und kein 38 jähriger. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt. Seine sexuellen Bemerkungen und Geschichten gingen mir einfach auf die Nerven. Ich schnappte mir einen Ast und jagte ihn aus meinem Garten. Er solle duschen gehen und dürfte erst Abends wieder kommen. Er wollte mit unbedingt grillen. Eine Stunde später war er allerdings wieder da.
Manche Menschen wird man einfach nicht so schnell los.

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